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Sehen mit Ohren
(Released 04/2007 on transacoustic research, Vienna)

Hörbuch der Woche: DIE STILLE DER POSTKÄSTEN.
"Die Postkästen, die hört man nicht." Na und? Man sieht sie doch. Wenn man sehen kann. Aber für alle, die nicht sehen können, sind Postkästen ein reichlich unangenehmes Hindernis - wie alles, was "aus irgendwelchen Wänden" wächst, auch Mistkübel, auch Verkehrsschilder. Ulrich Troyer hat solche und andere Raumerfahrungen Blinder mit einer Soundcollage aus Stra§en- und anderen Alltagsgeräuschen zu einem gut halbstündigen Hörkunststück gemischt: SEHEN MIT OHREN. Wer Augen hat, der höre.

--- frei -- die presse - Spektrum - Samstag 07. April 2007

"Sehen mit Ohren" - Architektur und Räume kann man auch hören. Wenn man will. Was man sollte. [...] Kaum jemand denkt überhaupt daran, dass jeder Raum neben seiner Dreidimensionalität auch ein akustisches Volumen hat, einen ganz spezifischen Klang, der sich verändert, der leise sein kann wie das Schiff einer Kirche, lärmend wie ein Straßenraum, dumpf wummernd wie ein Stadtraum aus der Ferne gehört. Es gibt ein "Sehen mit Ohren", und diesen Titel trägt auch eine CD, die seit Kurzem zu kaufen ist und derzeit zum Beispiel alle Abonnenten der "Zeitschrift für Stadtforschung" namens derive erfreut. Deren aktuelle Ausgabe befasst sich mit dem Thema "Stadt hören", und darin wird versucht, das Bewusstsein auf jenen Sinn zu lenken, den das Dauerdröhnen der Großstadt gewissermaßen betäubt hat. [...] Wir empfehlen folgendes kleines Experiment: Nehmen Sie ein beliebiges Aufnahmegerät (MiniDisc, Walkman, was auch immer) in die Hand, setzen Sie Kopfhörer auf und bewegen Sie sich bei gedrücktem "Record-Knopf" durch Innen- und Außenräume, durch Kaffeehäuser, Stiegenhäuser, Ihre eigene Wohnung. Ihre Ohren werden staunen über das vielfältige Soundgeflecht, das durch die feine akustische Verstärkung plastisch gemacht wird. Dass blinde Menschen für ihre Umwelt ein besonderes Hör-Sensorium entwickeln, ist bekannt. Ulrich Troyer lässt uns mit der bereits erwähnten CD "Sehen mit Ohren" einen hervorragenden akustischen Blick in die Welt von sechs Blinden tun, von dem auch Sehende lernen werden. Sie höre den Widerstand, wenn sie in einen Raum gehe, meint Kerstin Tischler etwa. Eine offene Tür sei "irgendwie so wie eine Art Magnet, wo du dann einfach hineingehen musst". Regen verwische die Klänge, sagt Josef Knoll. Und wichtig an einem Blindenstock, erklärt Musiker und Komponist Otto Lechner, sei nicht nur das Tasten, sondern auch das Geräusch, das er erzeuge: "Und das sich an den Hauswänden, oder egal, was einem da entgegenkommt, bricht oder nicht bricht. Oder wie es sich bricht."

--- Ute Woltron, ALBUM - der Standard- 12. Mai 2007

Sechs blinde Menschen aus Wien und die Geräusche der Umgebung in der sie leben. Auf "Sehen mit Ohren" verschneidet Ulrich Troyer Ausschnitte aus Interviews mit diesen Menschen mit Field Recordings von Innen- und Außenräumen der Stadt, verdichtet und überlagert, erstellt eine Klangcollage des alltäglichen. Scheinbar profane Orte und Geräusche können hier - vorzugsweise mit Kopfhörern in einem verdunkelten Raum - neu oder anders gehört werden, auch weil die Aufnahmen, in diesem Fall als Stereomischung von ursprünglich in 5-Kanaltechnik aufgenommenen Soundscapes vorliegend, allesamt sehr plastisch gelungen sind. Die Schnitte gestalten sich Anfangs noch recht zackig und es dauert einige Minuten, bis sich die Atmosphäre etwas entschleunigt; Passagen werden wiederholt, oft werden die entsprechenden Geräusche zur Illustration des Gesprochenen herangezogen. Mit knappen 35 Minuten Spieldauer eine sehr kurzweilige und durchaus gelungene Arbeit, das blindengerecht gestaltete Artwork und das umfangreiche Booklet, das die vollständig transkribierten Interviewtexte bereit hält, runden den positiven Gesamteindruck ab.

--- Tobias Bolt -- quiet noise.org - 24/04/2007


ULRICH TROYER: SEHEN MIT OHREN (transacoustic research) Ganz das Gegenteil dieses Projektes: sechs blinde Menschen aus Wien - u.a. Akkordeonist Otto Lechner - erzählen über ihre Wahrnehmung von Architektur, die Bedeutung von Raum und wie sie sich in der Stadt akustisch orientieren. Ich kenne keine andere zeitgenössische Produktion, die uns biologisch-physikalisch Sehenden einen derart präzisen, faszinierenden und verständlichen Eindruck von der Wahrnehmungsfähigkeit blinder Menschen gibt. Im 26-Seiten Textheft sind die Sprachprotokolle nachlesbar - gibt's im Internet auch in Brailleschrift.

--- Terz Düsseldorf 06/2007


Ulrich Troyer: Sehen mit Ohren / Seeing with Ears
Nicht Musik im eigentlichen Sinn, aber doch Musik in unseren Ohren ist diese CD des österreichischen Musikers und Architekten Ulrich Troyer. Er hat sechs blinde und sehbehinderte Menschen zu ihrem Alltagsleben und ihrer Wahrnehmung interviewt, die Gesprächsfetzen mit Geräuschen aus dem täglichen Leben verbunden und auf diese Weise ein Hörspiel geschaffen, das einen Eindruck vermittelt, welch ein Reichtum in der akustischen Begehung der Welt liegt. Man erfährt zum Beispiel, dass man Räume hören kann, dass ein Blindenstock vor allem dazu da ist, Geräusche als Hall zu verbreiten, sodass der Blinde wie eine Fledermaus die Ausdehnung seiner Umgebung erhört, und dass panierte Schnitzel in der Pfanne ein ganz bestimmtes Geräusch machen, wenn sie gerade anbrennen. Man fühlt sich an den Film "Dancer in the Dark" erinnert, in dem noch das Ruckeln eines Zuges auf den Schienen zu einer schieren Symphonie anschwoll, und kann verstehen, wenn die 53jährige Elisabeth sagt: "Die totale Stille, die ist mir unsympathisch." Daher ist es gut, dass es diese totale Stille nicht gibt.

--- Tina Manske - Titel Magazin 06/2007


SEHEN MIT OHREN - Die Bedeutung von Raum und Architektur für Blinde. Durch die akustische Collage aus Interviews und Innen- und Au§enaufnahmen bekommt der Hörer eine immer intensivere Ahnung von der auditiven Wahrnehmungsleistung blinder Menschen. Welten, die dem Sehenden, also unzulänglich Hürenden, in ihren von den Grenzen des Auges befreiten Dimensionen unwirklich erscheinen künnen. Von daher stellt diese CD mal eine echte Herausforderung dar. (Transacoustic Research)

--- ap --- Schlendrian Lüneburg07/2007











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